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Konzept der Lernoase

 

1)Voraussetzungen

 

A) Rahmenbedingungen

Auf einer kollegialen internen Lehrerfortbildung zum Thema „Lernschwache Schüler/Innen" wurde vom Kollegium festgestellt, dass in allen Klassen ein großer Anteil lernschwacher Schülerinnen und Schüler (in Zukunft SuS genannt) vorhanden sind. Im Unterrichtsalltag ist eine angemessene Förderung dieser nicht zu leisten, da häufig auch gravierende Verhaltensauffälligkeiten sowohl im Sozialverhalten (häufig durch Frustration beim Lernen) als auch im Arbeitsverhalten (z.B. völlige Unstrukturiertheit der SuS) auftreten.
In den letzten Dienstbesprechungen wurde im Kollegium beschlossen, dass bei diesen SuS die Kerncurricularen Vorgaben für die Hauptschule nicht zu erfüllen sind, da den SuS die Basiskompetenzen v.a. in Deutsch und Mathematik und im Arbeits- und Sozialverhalten fehlen. Somit wurde die Einrichtung einer „Lernoase" beschlossen.

 

B) Zielgruppe

Die Lernoase ist für SuS, die große Schwierigkeiten in den Basiskompetenzen (Mathematik und Deutsch) und im Arbeits- und/oder Sozialverhalten haben.
Innerhalb der Lernoase sollen diese SuS so gefördert werden, dass sie innerhalb eines gewissen Zeitraums diese Basiskompetenzen erlangen. Deshalb sind in der Lernoase nur
6-8 SuS zeitgleich in einer Gruppe und werden 4 Stunden pro Woche gefördert.
Die Auswahl der SuS erfolgt in gemeinsamer Entscheidung mit allen betroffenen Lehrkräften (z.B. innerhalb einer pädagogischen Klassenkonferenz, die auch kurzfristig einberufen werden kann), v.a. aber durch den Klassenlehrer/die Klassenlehrerin. Die Eltern werden in die Entscheidung eng miteinbezogen.

 

2) Raumgestaltung

Der Raum (momentan C 1.13) ist so gestaltet, dass er eine „Oase" im täglichen Schulalltag darstellt.


Es gibt 4 Bereiche:
A) Lernbereich
B) Sitzkreis- und Rollenspielbereich
C) Spiel- und Gruppenbereich
D) Lese- und Ruhebereich


Alle Bereiche sind durch Raumteiler voneinander getrennt, so dass sich folgende Aufteilung ergibt:

 

 Spiel- und Gruppenbereich Lese- und Ruhebereich
 Lernbereich Sitzkreis- und Rollenspielbereich

 

 

A) Lernbereich
- Schultische in Hufeisenform/Gruppentischen mit Blick zur Tafel
- Vorgesehen für Erklärung verschiedener Lerninhalte, Einzel-, Partner- Gruppenarbeit mit Schulbüchern, Arbeitsblättern, etc.

 

B) Sitzkreis- und Rollenspielbereich
- Sitzkissen in Plastikwannen, um schnellen Sitzkreis, Kino, etc. machen zu können („Krisengespräche", Ergebnisrunden, Gestalten einer Mitte zum Thema, Zuhören, Rollenspiele,...)
- An der Decke Weidenzweig zur Gestaltung

 

C) Spiel- und Gruppenbereich
- Durch Teelichtparavan abgetrennt und als „grüne" Oase gestaltet
- An dem Gruppentisch kann gespielt, in Gruppen gearbeitet, Gespräche geführt, etc. werden
- Ein Briefkasten an der Pinnwand soll zur Meinungsäußerung auffordern, aber auch das Briefe schreiben im Hinblick auf Wortschatzerweiterung und Rechtschreibung (s.u.) unterstützen

 

D) Lese- und Ruhebereich
-gestaltet mit Sonnensegel, Teppich, Liegesesseln und Kissen
-Ruhebereich, in dem nicht gesprochen werden darf, um Lesen aber auch „Abschalten" oder Einzelspiel zu ermöglichen

 

3) Förderkonzept der Lernoase

Die Lernoase fördert bei den SuS individuell die Basiskompetenzen in den Fächern Mathematik und Deutsch sowie im Arbeits- und Sozialverhalten. Dabei soll die Förderung kein isoliertes Training sein, sondern besitzt drei Pfeiler die miteinander verzahnt werden:

 

Lernoase

 

 

Auf Grundlage dieses „Förderhauses" durchlaufen die SuS im Rahmen der Lernoase


4 Schritte:
a) Ankommen und Mitgestaltung
- Gestaltung im Raum/Gefühl vermitteln „Ich gehöre mit dazu"
- Raum erfahren (Was wird wo gemacht und was nicht?!)

 

b) Diagnostik
- Bei jedem S. wird individuell an seinem Förderschwerpunkt ein diagnostisches Testverfahren eingesetzt. Er durchläuft aber alle anderen Übungen mit (z.B. ein S. ist sehr rechtschreibschwach. Als Diagnosetest wird die Hamburger Schreibprobe durchgeführt und er bekommt individuelle Hilfen und Lernanregungen. An den allgemeinen Übungen zum AV und SV (und tlw. auch an Basisübungen in Mathe) nimmt er aber teil.


c) Lernen lernen/Lücken schließen
- Es werden verschiedene Übungen und Angebote zum effektiven Lernen mit den SuS durchgeführt. Dies erfolgt oft spielerisch.
- Anhand der neu erlernten Lernmöglichkeiten können die SuS langsam ihre Lücken schließen.
- Die Übungen können, wo es passt, auch Aufgaben aus den jeweiligen Lerninhalten, die gerade in der Bezugsklasse Thema im Unterricht sind, integrieren (z.B. Matheberechnungen, Gedicht auswendig lernen). Dies ist aber nicht der Regelfall, da die Basiskompetenzen im Vordergrund stehen.


d) Neue Lern-und Verhaltensweisen ritualisieren und festigen
- In diesem Schritt soll „neu Erlerntes" mit altem Wissen verknüpft, neue Verhaltensweisen ritualisiert und auch in der Bezugsklasse angewendet werden können.


Diese 4 Schritte bauen nicht nur aufeinander auf, sondern werden auch miteinander verzahnt. Eine Überprüfung eines Lernfortschritts ist auch wieder mit der Diagnose verbunden.

In den einzelnen Fächern werden folgende Basiskompetenzen bei den 4 Schritten berücksichtigt:


A) Deutsch
- Lesen und Textverstehen (Aufgabenverstehen!)
-Rechtschreibung

 

B) Mathematik
- Grundrechenarten (Kopfrechnen, schriftliches Addieren, Subtrahieren, Multiplizieren, Dividieren)
- räumliche Vorstellung
- Körper
- Schreiben in Kästchen und Umgang mit dem Lineal

 

C) Arbeitsverhalten
- Arbeitsplatz einrichten/Umgang mit Material
- Heft- und Mappenführung
- Stundenplan und Rucksack packen
- verschiedene Sozialformen (EA, PA, GA) trainieren
- Steigerung der Konzentrationsfähigkeit/Aufmerksamkeit
- Selbstreflexion in Bezug auf (nicht) erbrachte Leistungen

 

D) Sozialverhalten
- Verbesserung der Selbst- und Fremdwahrnehmung
- Schulung von Empathiefähigkeit
- Entwicklung kommunikativer Kompetenz
- Bildung von (verbessertem) Selbstwertgefühl
- Selbststeuerung im Umgang mit Gefühlen und Impulsen/Aufbau einer Frustrationstoleranz
- Erlernen von Konfliktlösungsstrategien

 

4) Lernoase 2014/2015


a) Schulinterne Organisation
Die jetzt startende Lernoase ist in zwei Gruppen gegliedert. Es werden 6 SuS der 5. Klasse und 8 SuS der 6. Klasse die Lernoase besuchen. Hierzu erhalten sie einen ab den regulären Stundenplan angepassten eigenen Stundenplan.

 

b) Pädagogische Konferenzen
Da es der erste Durchgang ist, werden sich durch individuelle Absprachen vielleicht noch Dinge am Förderkonzept der Lernoase oder andere Dinge ändern.
Alle Fachlehrer/Innen werden zunächst auf einer einmaligen pädagogischen Konferenz über die 6 bzw. 8 SuS informiert und es findet ein kurzer Informations- und Erfahrungsaustausch zu den einzelnen SuS statt.
Nach der Diagnostik (s. Punkt 3b) findet eine weitere pädagogische Konferenz statt, bei der für jeden einzelnen SuS ein individueller Förderplan erstellt wird.
Nach Ablauf des Förderzeitraums (s. Förderplan) tagt die pädagogische Konferenz zur Auswertung und Evaluation erneut. Hierbei werden auch (wenn nötig) neue Förderziele festgelegt bzw. sonderpädagogischer Förderbedarfe frühzeitig erkannt werden. Somit kann frühzeitig über einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf beraten werden (s.u.)

 

c) Lernoase und Inklusion
Die Lernoase ist ein Mittel, um lernschwachen SuS die Möglichkeit zu geben, Basiskompetenzen kognitiv und im Verhalten zu erlernen und im Schulalltag erfolgreich anzuwenden. Sie ist somit eine Grundlage, um Benachteiligungen oder beginnenden (Lern-)Behinderungen frühzeitig entgegenzuwirken.
Somit ist sie auch eine Möglichkeit (durch die vorhandene Diagnose und die individuellen Förderpläne) zu erkennen, dass ein SuS trotz aller schulischen Fördermöglichkeiten nicht hinreichend unterstützt werden kann, sodass in der pädagogischen Konferenz zeitnah über eine Überprüfung auf sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf beraten werden kann.

 

5) Ausblick

Eine Vernetzung der Lernoase mit verschiedenen Bereichen wäre sehr wünschenswert.


Einige Ideen:
- Einbezug der Sozialpädagoginnen für bestimmte Stunden und Bereiche (sehr hilfreich auch für die Diagnostik)
- sehr enge Zusammenarbeit mit dem Elternhaus (auch hier hat die Einschätzung und Einbindung der Klassenlehrer/In oberste Priorität. Motto: ALLE gemeinsam!); Eltern sind in der Lernoase IMMER willkommen nach vorheriger kurzer Anmeldung.
- Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe der Stadt Seelze für verschiedene Aktivitäten

 

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